Wenn die Natur erzählt
- gabrielewilfing

- 20. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Jan.
Naturfotografie ist für mich mehr als das Festhalten eines Augenblicks. Sie ist ein stilles Lauschen. Jeder Ort trägt Erinnerungen in sich - Spuren von Geschichten, von Menschen, von Zeiten, die längst vergangen sind. Mit der Fotografie begegne ich diesen Landschaften achtsam, fast wie in einem Dialog, und versuche, ihre leise Sprache sichtbar zu machen. Meine Filzfiguren entstehen oft aus diesen Begegnungen heraus. In der Natur eingeweiht, nehmen sie die Stimmung des Ortes in sich auf - das Moos unter alten Bäumen, den Wind auf den freien Hügeln, die Kraft historischer Gegenden. Sie sind kleine Hüterinnen von Geschichten, verwoben mit Erde, Zeit und Intuition. Auf dem Bild zu sehen ist die wundervolle Gegend des Sölkpass, ein wichtiger Gebirgspass in der Steiermark (Österreich) - ein natürlicher Übergang durch die Alpen, der bis heute Menschen und Landschaften verbindet. Der Pass liegt auf etwa 1788 m Höhe in den niederen Tauern und bildet die Wasserscheide zwischen dem Ennstal im Norden und dem Murtal im Süden. Gebirgsgruppen der Schladminger Tauern im Westen und den Rottenmanner und Wölzer Tauern. Ich selbst bin im Wölzertal aufgewachsen, in Oberwölz, der kleinsten Stadt in der Steiermark.
Diese Landschaft ist geprägt von stillen Bergseen, rauschenden Bächen und alpinen Wiesen. Sowie von der bäuerlichen Lebenskultur und dem Handwerk.
In früheren Zeiten wanderten die Menschen über den Sölkpass vom Ennstal im Norden Richtung Schöder in den Süden und handelten in Oberwölz mit ihren Waren. In Schöder ist die Pferdezucht über 100 Jahre alt und so sind die Pfade über den Sölkpass geprägt von der Wanderung mit Tieren - es handelt sich um die so genannten Säumerpfade (Saumwege). Diese historischen Routen wurden für den Warentransport mit Saumtieren (z.B. Pferde, Maultiere oder Esel) genutzt. Es handelte sich um enge und steile Wege, die nur mit Trag- oder Lasttieren passierbar war. Der Begriff "Saum" bezieht sich auf die Last, die die Tiere trugen. Am Sölkpass ist ein solcher Saumpfad seit der Bronzezeit (mind. 3200 Jahren) nachweisbar - Menschen nutzten den Pass schon früh, lange bevor es befahrbare Straßen gab. Reste davon sind noch immer erkennbar - besonders auf Wanderabschnitten rund um den Sölkpass, wo sie Teil von historischen Wanderwegen sind und von Naturpark-Beschilderungen begleitet werden.

Tradition heute
Jedes Jahr im Juli findet ein "Säumerfest" statt
Reiter und Wanderer folgen den alten Säumerpfaden, oft in historischer Kleidung. Auf der Passhöhe treffen die Gruppen zusammen, und traditionell wird symbolisch Salz gegen Wein getauscht, eine Erinnerung an den historischen Handel. Diese Pfade sind nicht nur geografische Linien durch die Berge, sondern auch Zeitspuren, die zeigen, wie Menschen einst im Einklang mit Landschaft, Wetter und Tierkraft Handel trieben. Wenn du heute diese Wege durchwanderst, spürst du ein Echo dieser alten Verbindungen - den Atem der Geschichte, der über den Alpenhauptkamm weht, und die stillen Geschichten der Menschen, die hier Fuß vor Fuß gesetzt haben, bevor es Straßen, Autos, Buse und Motorräder gab.





















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